Fortsetzung ZEIT Geist / 2 Krügerl (2)

Es war der verstorbene französische Präsident François Mitterand, der 1994 seinen Amtskollegen der G7, der sieben größten Industriestaaten der Welt, zu erklären versuchte, dass trotz Entwicklungshilfe und Kapitaltransfers mehr genommen als gegeben werde: »Wissen Sie, dass der Finanzfluss aus Afrika in die Industrieländer größer ist als jener nach Afrika?«
Wenn man nun weiters bedenkt, dass für den Zeitraum der letzten fünf Jahre des laufenden Lomé-Abkommens knappe 5,5 ECU pro Kopf an Zusammenarbeit mit 71 AKP-Ländern ausgegeben werden, was laut einem Delegierten aus dem Süden ziemlich genau zwei Krügerl Bier mit einem Sackerl Erdäpfelchips in einem durchschnittlichen Pub in London ausmacht, dann muss man sich wirklich fragen, ob eine breit angelegte partnerschaftliche Zusammenarbeit zur Lösung der Armut nicht etwas mehr wert sein müsste.

Federico Nier-Fischer wurde in Montevideo, Uruguay, geboren, ist Korrespondent der internationalen Nachrichtenagentur Inter Press Service (IPS) und Konsulent für interkulturelle Kommunikationsprojekte

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Mein Kommentar:

Kollege Schütz meint einen "reaktionären Zeitgeist" zu spüren. Der Anschein gibt ihm recht.
Ich finde nur, dass wir bisher in diesem Bereich zu viel in moralischen und zu wenig in
systemischen, politischen Kategorien gedacht haben, dass wir bei Mitterrand ansetzen
sollten, aber über diesen Ansatz ganz wesentlich hinauskommen sollten.

Wenn wir das schaffen, dann wird es uns auch leichter fallen, in unserer eigenen
Gewerkschaftsarbeit den Punkt zu finden, wo wir ansetzen können, um erfolgreich
unsere Interessen durchzusetzen. Internationale Solidarität hat mit der Durchsetzung
unserer eigenen Interessen sehr viel zu tun. Mir gefällt der Gedanke "Wir alle leben
auf einer Welt" ganz hervorragend, denn wenn wir gemeinsam die Ressourcen vergrößern,
sind wir am Ende alle reicher, als wenn wie bisher die einen die andern ausbeuten.
Das sollten wir nicht nur d
en Schülern, sondern allen Menschen vermitteln können.

mfG
Günter Wittek



----- Original Message -----
From: Timo Davogg
To: Lehrerforum
Sent: Monday, July 02, 2001 10:50 PM
Subject: LF: Re: ZEITgeist

Lieber Kollege Schuetz,

Jaja, der ZEIT-Geist weht, die PRESSE schreibt, die SÜDDEUTSCHE meint, die NZZ fragt, der STANDARD kritisiert, die SN berichten... und ich denke, wir LehrerInnen und Kinder-/Jugendliche-/Erwachsenen-BILDNERiNNEN sollten wissen, was Medien denn so über uns eng betreffende Bereiche wie Bildung und Erziehung, natürlich verbunden mit Bildungs-, aber auch Standespolitik schreiben, hier in Österreich, aber auch anderswo im deutschsprachigen Raum. Natürlich ist es legitim, nur das lesen zu wollen, was der eigenen Gesinnung entspricht - ob eine derartige Haltung, die andere Sichtweisen aus möglicher Argumentation und eigener Überlegung ausspart, Sinn macht, bezweifle ich. Trotzdem ist in einem derartigen Fall die "Entfernen"-Taste ein heißer Tipp: Betreff: ZEIT sehen, hopp, ein Fingertipperl - und Artikel und reaktionärer Ärger sind weg. Vielleicht noch eine kurze Anmerkung für Sie, Kollege Schuetz: ich lese interessiert Zeitungen, stoße da und dort auf bildungsrelevante und standespolitisch wichtige Artikel und Kommentare, und stelle sie ins Lehrerforum. Dass (angesehene) Printmedien über unseren beruflichen Bereich Bildung, Erziehung und Lehrberuf schreiben, was sie schreiben und wie sie es tun - das ist eine Tatsache, die man entweder negieren und löschen (weghaben) möchte, oder mit der man sich auseinander setzen kann. Wie wäre es, wenn Sie sich hier im Forum einmischten und mit diskutierten, worin denn nun die wirklichen Probleme im Bildungsbereich liegen? Wie wär's, wenn Sie Artikel posten, die aus Ihrer Sicht relevant sind?

Mit frustrierten Grüßen könnte ich übrigens auch dienen; diese sind allerdings in der Kreativität unserer Gewerkschaftsführung begründet, die sinnvollen Widerstand gegen die BGB abgewürgt hat. Schöne Ferien! Timo Davogg

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Ich habe vor ein paar Wochen das Lehrerforum subskribiert, weil ich dachte, da werde kontruktiv über die Probleme des Bildungsbereichs im Zusammenhang mit den drohenden Vermarktwirtschaftlichungstendenzen (= Zerschlagung des öffentlichen Bildungssystems [mit all seinen Problemen]) diskutiert, Querverbindungen und Partner gesucht (man könnte ja schauen, was in der EU oder weltweit etwa im Rahmen des Dienstleistungsabkommens GATS der WTO läuft ....), .... Und natürlich habe ich mir erwartet, dass man nach kreativen Formen des Widerstands sucht,. weil ja die GÖD-Politik ja wirklich eine Katastrophe ist.

Leider bin ich ziemlich enttäuscht worden, aber vielleicht liegt das an meinen eigen - falschen Erwartungen. Da wird der reaktionäre ZEIT-Geist ins Netz gestellt, diverse Aufrufe nach MEHR ERZIEHUNG weitergeleitet ... Naja, darin sehe ich das Problem jedenfalls NICHT!!!!!

Als Partner einer Hauptschullehrerin sehe ich jedenfalls die Probleme wo anders. Mich erinnert die Situation irgendwie an einen Schnellkochtopf. In dem sind SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen. Und irgendwer (neoliberale Regierungen von Blair, Schröder ... bis
Schüssel) dreht die Kochplatte auf die höchste Stufe auf (mittels der Instrumente Budget-"Konsolidierung", EU, WTO ... wird ein marktradikales Modell durchgesetzt). Kein Wunder, daß die Reibungsenergie im Kessel steigt, kein Wunder, daß da immer mehr anbrennt.

MEHR Erziehung????? MEHR Auslese????? VERHALTENSVEREINBARUNGEN?????????

Mit etwas frustierten Grüßen

Walther Schütz,
Erwachsenenbildner aus dem entwicklungspolitischen Bereich (Bündnis für Eine Welt /ÖIE in Villach)

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