Ein Artikel aus ORF-on. http://science.orf.at/science/news/74685
MkG,
Eugen Drexel
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Stundenreduktion: Grüne orten Rechenfehler
Rechenfehler bei der Begründung für die geplante Streichung von rund zwei Schulstunden pro Woche werfen die Grünen dem Bildungsministerium vor. Die ÖVP weist die Kritik zurück. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) stütze sich bei ihrer Argumentation für die Notwendigkeit dieser Maßnahme auf den OECD-Vergleich "Bildung auf einen Blick", in dem Österreich eine weit überdurchschnittliche Unterrichtsbelastung für die Schüler bescheinigt wird, kritisierte der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Die vom Ministerium an die OECD übermittelten Daten seien aber falsch. Einberechnung von Freigegenständen u.a. Am schwersten wiegt für Brosz, dass - entgegen den OECD-Vorgaben - für die
13- und 14-jährigen Schüler auch Freigegenstände und Unverbindliche Übungen einberechnet worden seien. Dass dies nicht zulässig sei, bestätige auch der OECD-Abteilungsleiter Andreas Schleicher in einem Schreiben. Außerdem sei die Anzahl der Unterrichtswochen falsch übermittelt worden, da nicht alle Feiertage abgezogen worden seien.

Zu viele Unterrichtswochen angenommen
Während das Ministerium von 37,4 Unterrichtswochen ausgegangen sei, wären nach OECD-Kriterien höchstens 36 Unterrichtswochen realistisch. Mittlerweile bezweifelt offenbar auch die OECD das von Österreich übermittelte Daten-Rohmaterial und verlangt Auskunft. In einem Schreiben Schleichers heißt es, dass die Rohdaten Österreichs "sehr hoch" erscheinen.

Verordnungsentwurf zur Schulstunden-Reduktion
Ende März hatte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) den Verordnungsentwurf für die umstrittene Reduktion von Schulstunden zur Begutachtung ausgesendet. In Zukunft soll es ihm zufolge - jeweils über vier Jahre gerechnet - je nach Schultyp zwischen zwei und acht Pflichtwochenstunden weniger geben.

"Richtige Daten": Bloß eine Stunde über Schnitt
Rechne man dagegen mit den richtigen Daten, liege Österreich derzeit ungefähr um eine Wochenstunde über dem OECD-Schnitt (1.148 Stunden pro Jahr), so Brosz. Mit der geplanten Stundenreduktion falle man also bereits darunter. Darüber hinaus werde von der OECD nur die reine Unterrichtszeit eingerechnet, nicht aber etwa Fördermaßnahmen, die von den Lehrern darüber hinaus in der Klasse gesetzt werden. Hier liege Österreich weit unter dem OECD-Mittel.

ÖVP weist Grünen-Kritik zurück
Zurückgewiesen wird die Kritik der Grünen vom Bildungssprecher der ÖVP, Werner Amon. Noch vor knapp zwei Jahren habe Brosz kritisiert, dass die österreichischen Schüler teilweise auf eine höhere Arbeitszeit kämen als Erwachsene und dies "seit Jahren bekannt sei", so Amon in einer Aussendung. Damals habe Brosz Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) aufgefordert, endlich Vorschläge zu unterbreiten, die hohe Arbeitsbelastung der Schüler zu senken.

"Grüne argumentierten mit gleichen Zahlen"
Begründet habe dies der Grüne Bildungssprecher mit der OECD-Studie des davor liegenden Jahres und einer Erhebung der Wiener Universitätsprofessorin Christiane Spiel, meinte Amon. "Das, womit Brosz vor zwei Jahren noch selbst argumentierte, soll nun nicht mehr gelten, wenn es andere ins Treffen führen", kritisierte der ÖVP-Bildungssprecher. Entweder habe Brosz damals die OECD-Daten unkritisch und ungeprüft verwendet, oder er verdrehe heute die Fakten.


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