Wie bekannt scheint doch die Situation:

In Hamburg will Bildungssenator Lange (FDP) ein neues Arbeitszeitmodell für LehrerInnen einführen - im Grunde jenes System, welches auch in Österreich gilt ( Werteinheiten, mehr schulische Arbeitszeit für Nicht-Schularbeitenfächer etc.). Verbunden werden soll das mit einer generellen Erhöhung der LehrerInnenarbeitszeit. Die Gerwerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) traut sich jedoch nicht, zum Streik aufzurufen, weshalb offenbar die LehrerInnen das Heft selbst in die Hand genommen haben:

Seit mehreren Tagen kursieren an den Schulen Flugblätter, deren Inhalt sich ungefähr folgendermaßen darstellt: Stellt euch vor, in nächster Zeit würden LehrerInnen von einer seltsamen Übelkeit befallen werden. Oder sie würden sich
- SARS lässt grüßen - einem Gesundheitscheck unterziehen, um ihre SchülerInnen nicht zu gefähren.

Die Folge: Tatsächlich fühlten sich viele LehrerInnen krank, tatsächlich ließen sich viele einem Gesundheitscheck unterziehen. An manchen Schulen waren 80 Prozent der LehrerInnen von der grassierenden Krankheit betroffen.

Die bürgerliche Presse schäumt. Der rechte Senat sowieso. Die SchülerInnen sind sich nicht so ganz sicher. Die Eltern sind empört. Die GEW denkt plötzlich laut über die Möglichkeit von Aktionstagen nach. Und die Bildungspolitik ist wieder in aller Munde.

Nicht, dass ich zur Nachahmung aufrufen würde.

Gebi Mair



Ein Artikel aus dem Hamburger Abendblatt (www.abendblatt.de), welches seine Linie der LehrerInnenhetze mit diesem Artikel offensichtlich zu korrigieren
versucht:

Die Mehrheit nimmt Rücksicht auf Schüler
Kommentar

Von Peter Ulrich Meyer

Die Lage in den Hamburger Schulen ist explosiv wie seit langem nicht mehr. Lehrer, aber auch viele Eltern werfen Bildungssenator Rudolf Lange vor, mit dem neuen Arbeitszeit-Modell die Belastung für die Pädagogen unzumutbar zu erhöhen.

Auch wenn gemeinsames Krankfeiern von Lehrern oder Streiks nicht zu akzeptieren sind: Festzuhalten bleibt, dass die Mehrheit der Kritiker ihren Protest äußert, ohne den Kindern damit zu schaden, weil der Unterricht ausfällt.

Im Kern geht es darum, wie viele Stunden die Lehrer zusätzlich unterrichten müssen. Die Gewerkschaften rechnen mit zwei Stunden pro Woche und Lehrer. Der Senat hat beschlossen, dass für Lehrer künftig auch die 40-Stunden-Woche gilt, was auf eine Unterrichtsstunde mehr hinauslaufen könnte.

Für Lange ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass die Befürchtungen der Gewerkschaften nicht eintreffen. Der Senator hat stets betont, dass Lehrer mit Korrektur-intensiven Fächern weniger arbeiten müssen.

Gegen das im Grunde sinnvolle Arbeitszeit-Modell spricht nur, dass es verbunden mit Einsparungen eingeführt werden soll.

erschienen am 10. Mai 2003 in Hamburg

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