Aus Oberösterreich erhalten und weitergeleitet
Heinrich Kreissl

Sent: Friday, May 09, 2003 9:05 AM
Subject: Proteste

Liebe KollegInnen!

Unten findet ihr die Niederschrift eines Gesprächs mit Mag. Koretzky bzgl. Protestmaßnahmen

mfg
Edda Wingert
Sekretärin des SLOÖ


Mag. Koretzky im Gespräch über Proteste
Ich gebe seine Aussagen laut Mitschrift wieder.

Gestern hatte ich Gelegenheit, mit dem Besoldungsreferenten der GÖD und stellvertretenden Vorsitzenden der FSG, Mag. Peter Koretzky, im Anschluss an die SLÖ-Bezirkstagung in Braunau ein ausführliches Gespräch zu führen. Dabei kam auch die spezielle Situation der Pflichtschullehrer Oberösterreichs im Zusammenhang mit wirksamen Protesten zur Sprache. ¨Mag. Koretzky ist der Meinung, dass das bisher betriebene und für die nächsten Tage geplante Protestpotential bei den Verantwortlichen der Bundesregierung gleich Null bewirken und bewegen wird. ¨Er meint auch, dass rasche Begeisterung und euphorischer Drang zu handeln, zuerst bei den Enthusiasten im Abflauen begriffen sein wird. ¨Koretzky sieht die Gewerkschaften in einem Abwehrkampf und alle Aktionen als Abwehrmaßnahmen, er sprach deshalb auch nie von Streik. Ein Abwehrkampf verlangt im Unterschied zum Streik keine Anwesenheit am Arbeitsplatz, er ermöglicht auch Aktionismus außerhalb (siehe Demonstration). ¨Die Arbeitsniederlegung am 13.05. wurde von der GÖD auch nicht zum Streiktag erklärt, es sollte durch die Abwesenheit von der Arbeitsstätte einer möglichst großen Anzahl von Personen aus allen Bundesländern Gelegenheit zur Teilnahme an der Großdemonstration in Wien gegeben werden. ¨Die angekündigte Haltung vieler Kollegen, die Versammlung der Lehrervereine aus Protest gegen die Verschiebung auf den 14.05. nicht besuchen und an der Schule streikend verweilen zu wollen, bezeichnete er als kontraproduktiv. Gerade eine machtvolle Demon­stration des Lehrervereins wäre dazu angetan, Aufmerksamkeit zu erregen. ¨Die heiße Phase der Auseinandersetzung kommt erst, auf diese sollte man sich vorbereiten. Sie wird härter sein, als viele vermuten, und noch viel Mut, Kraft und Einsatz von allen erfordern. ¨Österreich hat seit der Situation im Jahr 1950, die letztlich die Sozialpartnerschaft be­wirkte, nichts Vergleichbares erlebt. Im Umgang mit Kampfmaßnahmen kann man auf keine allzu große Erfahrung zurückgreifen, deshalb sind auch Pannen auf beiden Seiten nicht auszuschließen.

Ich hoffe, dass durch Kenntnisnahme dieses Schreibens ein Umdenkprozess erfolgt, und es hintereinander zu zwei machtvollen Willenserklärungen durch oberösterreichische APS-Lehrer kommt: am 13.05 in Wien und am 14.05. bei der SLÖ-Tagung in der Kürnberghalle in Leonding.

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