Courseware “Französisch 1”

Bewertung der Courseware ‚Französisch 1‘

Azeddine Ennagi

Einführung

Wenn man Courseware beim Sprachenlernen im Französischunterricht einbaut, muß man das angebotene Material zuerst einem genauen Eignungstest unterziehen.

Lernerfahrungen, die vom Rechner geliefert werden, unterscheiden sich bedeutend von denen, die von konventionellen Unterrichtsmethoden vermittelt werden. Dieser Unterschied besteht vorwiegend in der Art der Interaktion zwischen Lernenden und Rechner, bzw. Lehrperson/Lehrbuch.

Beim computerunterstützten Lernen ist die lernende Person viel mehr im Mittelpunkt des Lernprozesses, als bei herkömmlichen Methoden. Es ist die Lernende*1, die den Lernprozeß initialisiert und beendet, die das Tempo bestimmt und entscheidet, welche Richtung innerhalb eines Programmes sie verfolgt. Der Lernende ist ununterbrochen aktiv am Lernprozeß beteiligt, weil der Rechner mehr Aufmerksamkeit erfordert und dem Lernenden unmittelbar Feedback gibt. Aber der Rechner ist und bleibt eine Maschine. Er kann nicht auf die gleiche Weise mit Lernenden interagieren, wie das ein Mensch tun würde. Er kann nur reproduzieren, was die ProgrammerstellerInnen in ihm gespeichert haben. Er kann z.B. teilweise richtige Antworten nicht akzeptieren oder Verbesserungen für sie vorschlagen.

Sinn einer Coursewarebewertung ist es, sicherzustellen, daß Lernende nicht nur genaues und gut dargestelltes Material bekommen, sondern auch so leicht wie möglich mit dem Rechner interagieren können.

Das vorliegende Lernprogramm “Français 1“(digital Publishing, 1996) – konzipiert, um Französisch als Fremdsprache für AnfängerInnen zu unterrichten – wird nach den drei Schritten von Janice Schreck und Richard Schreck in ‚Computer Assisted Language Learning‘ (1991) bewertet.

Identifizierung der Software “Français 1“

“Français 1“ ist eine multimediales und hypermediales Lern-CD. Sie ist konzipiert für jugendliche (ab 13) und erwachsenen AnfängerInnen, die Französisch als Fremdsprache autodidaktisch lernen wollen. Das Programm eignet sich auch für mäßig Fortgeschrittene, die ihre Französischkenntnisse auffrischen wollen. Obwohl das Programm hauptsächlich für die Benützung einzelner gedacht ist, ist die Verwendung des Programms durchaus auch im schulischen Kontext möglich, und kann als Ergänzung zum Sprachunterricht verwendet werden.

Die Tatsache, daß die Dialoge in der Software keine wirklichen Situationen im täglichen Leben vermitteln, muß nicht unbedingt als Nachteil der Software gesehen werden. Im Gegenteil, die Lernerfahrung von AnfängerInnen kann vereinfacht werden. Das Programm stellt lernenden AnfängerInnen gerade die sinnvolle Menge von verständlichem Input zur Verfügung. Eine Software, die für fortgeschrittene Lernende konzipiert ist, würde höheren Input von komplexeren kommunikativen Situationen verlangen. In solch einem Fall wären Videos von authentischen Lebenssituationen notwendig.

Die Analyse und Bewertung von “Francais 1“, besteht aus drei Phasen: Die erste Phase beschäftigt sich mit den inhaltlichen Aspekten und der Präsentation der Anweisungen der Lern-CD, in der zweiten Phase geht es um den Grad benützerInnefreundlicher Bedienung. In der dritten Phase wird ausgewertet, inwieweit sich die Courseware für den Einsatz im Französischunterricht eignet.

Bewertung der Inhalte- und Anweisungspräsentation

Die Installation von “Francais 1“ ist leicht und schnell. Die Installation erzeugt eine Programmgruppe mit dem Namen “Digital Publishing“. Beim ersten Start des Programms wird die Lernende eingeladen, den Inhalt der ‚read me‘-Datei für eine erste Einführung in die Software zu lesen Diese Datei wird in der Programmgruppe installiert falls man später Hilfe benötigt.

Bewertung 12

Anweisungen

Im Programm integriert ist eine Art ‚Begleiterin‘ auf Video, die jedesmal wenn das Programm beginnt, eine kurze Einführung gibt. Diese Frau begleitet Lernende durch alle Lektionen: Sie erklärt Übungen und gibt Feedback auf die Antworten der Lernenden. Die Anweisungen gibt sie sowohl auf Deutsch, als auch auf Französisch, was für AnfängerInnen, die Schwierigkeiten haben könnten, wenn die Anweisungen nur auf Französisch wären, sinnvoll ist. Diese mündlichen Anweisungen erfolgen auch schriftlich und sind von klaren Beispielen begleitet. Die schriftlichen Anweisungen sind auf Französisch um AnfängerInnen zu motivieren , französische Anweisungen zu lesen und zu verstehen. Wenn die Lernende die [ALT]-Taste drückt, hat sie die Möglichkeit diese auf Deutsch zu lesen.

Bewertung: 1*

Bewertung der Antworten/ des Feedbacks

Von der versprochenen ‚intelligenten Fehleranalyse‘ vom Cover der CD ist wenig zu finden. Das System gibt zwar Lernenden Chancen, Fehler selber zu korrigieren, und das ad infinitum, aber die Hinweise auf mögliche Fehler sind bei jeder Übung identisch nämlich: „Deine Antwort hat mit der richtigen Antwort leider wenig zu tun.“- und sagen wenig über die potentielle Natur des Fehlers aus. Ferner ist das auf dem Cover angepriesene Korrektursystem nicht fähig, teilweise korrekte Antworten zu erkennen. Lernende müssen genau die Antworten finden, die der Rechner erwartet.

Beispiel 1:

Für “Voulez-vous aller à Dakar?“ Gibt es zwei mögliche Antworten mit negativer Form im Französischen: (1) “Non, je ne n´ai pas envie d´y aller,“ oder (2) “Non, nous n´avons pas envie d´y aller.“ Das Programm akzeptiert nur die zweite Variante.

Beispiel 2:

Die negative Form von “Il se couche toujours avant minuit.“ Kann sowohl „il ne se couche pas toujours avant minuit,“ als auch „Il ne se couche jamais avant minuit,“ sein, je nachdem, was die sprechende Person sagen will. Die erste Antwort bedeutet daß sie nicht immer ins Bett vor Mitternacht ins Bett geht, die zweite bedeutet, daß sie nie vor Mitternacht ins Bett geht. Beide Antworten sind korrekt. Das Programm erkennt nur die zweite Variante, und lehnt die erste als inkorrekt ab.

Bewertung: 4

Feedback

Wenn die Antworten falsch sind bekommen Lernende unmittelbar Feedback vom Programm. Die Videobegleiterin lenkt die Aufmerksamkeit Lernender auf die Antwort, die nicht richtig war, mit Sätzen wie: „Was für eine Katastrophe! Bitte konzentriere Dich!“ Diese Antwort ist sehr unpädagogisch, weil sie Lernende entmutigen kann. Wenn die Antwort ist richtig, ermutigt sie mit Worten wie: “Je suis ravie de ton travail!“ (“Ich bin von Deiner Arbeit begeistert!“) “Mach‘ so weiter!“ oder “Exellent!“

Bewertung: 3

Zweite Phase

Auswertung der BenutzerInnenfreundlichkeit des Programmes bezogen auf den Lernprozeß

Mechanische Merkmale

Das Programm ist leicht zu benutzen. Es ist es in 13 Einheiten eingeteilt, die man in beliebiger Reihenfolge absolvieren kann. Die Einheiten sind nach den Regionen Frankreichs geteilt. Diese sind in Unterkategorien eingeteilt, die verschiedene Aspekte der jeweiligen Region darstellen. Zu Beginn einer Einheit klickt die Lernende eines der Bilder. Das Programm empfiehlt den Kurs in einer logischen Reihenfolge – von ‚leicht‘ bis ‚schwierig‘ - zu absolvieren. Das “Sprachlabor“, das sich mit den Grundkenntnissen der französischen Sprache, wie z.B. Alphabet und Aussprache auseinandersetzt, wird als erste Einheit vorgeschlagen.

Das Programm hat ein Wörterbuch, das alle Wörter, die in den Übungen vorkommen, enthält. Mit der [ALT]- Taste bekommen Lernende eine Übersetzung der Dialogsätze und Anweisungen in deutscher Sprache. Das Programm gibt die Möglichkeit alle Übungssätze von einem ‚Native Speaker’gesprochen, anzuhören, und sich selber aufzunehmen um die eigene Aussprache mit jener der Sprecher zu vergleichen. Lernende können zu jeden Moment eine Übung beenden und zu nächsten gehen, Einheiten beliebig beenden und wieder starten und die Dialoge beliebig oft anhören. Außerdem, gibt das Programm die Möglichkeit, absolvierte Einheiten und Übungen zu überspringen. Wenn man das Programm mit der [ALT-F4]- Taste beendet, beginnt man bei dem nächsten Programmbeginn an jener Stelle, an der man das Programm beendet hat.

Bewertung: 1

Ästhetische Merkmale

Um Inhalte des Dialogs zu illustrieren, werden Bilder benutzt.

Alle Übungen sind bebildert. Textfarben werden sparsam benutzt, um die Aufmerksamkeit der Lernenden auf wichtige grammatische Strukturen zu lenken und um Übungsanweisungen zu erklären. Die ästhetische Aufmachung des Programmes fördert den Lernprozeß und lenkt nicht durch ein ‚Zuviel‘ ab.

Bewertung: 1

Bewertung der Software im Erwerben der Fremdsprache Französisch

Die Bewertung des Programms basiert auf einem Vergleich zu einem Kursbuch, das den gleichen Lehrplan abdeckt und die gleichen Methoden benutzt.

Schulung des Hörverstehens (global):

Der Input zur Schulung des Hörverstehens ist ausreichend und entspricht AnfängerInnen, weil die Inputs in einer Form präsentiert werden – langsam und deutlich -, so daß AnfängerInnen sie verstehen können. Es gibt mehrere Hörverstehensübungen.

Schulung des Hörverstehens (präzise):

Lernende können Übungsdiktate anhören, schreiben und die Richtigkeit überprüfen.

Sprechen

Die Aussprache wird durch Zuhören, Nachsprechen und die eigene Stimme aufnehmen geübt. Lernende hören die eigene Aussprache und können sie mit der Aussprache der integrierten SprecherInnen vergleichen und korrigieren.

Lesen lernen

Lernende haben die Möglichkeit, die Sätze von Dialog- und Übungssätzen nicht nur zu hören, sondern auch zu lesen

Schreiben lernen

Die Lern-CD bietet nur automatisierte Schreibübungen an, wie z.B. Antworten auf Fragen, Einsetzübungen, etc.

Erwerb grammatikalischer Strukturen

Die Übungsaufgaben decken die Mehrzahl grammatikalischen Wissens, die Lernende am Beginn ihres Französischerwerbs brauchen.

Vokabular:

Die Lern-CD vermittelt ein großes Vokabular aus Situationen der Alltagskommunikation.

kulturelles Bewußtsein, Landeskunde, und Politisches Bewußtsein

Im Programm sind Angehörige von Minderheiten dargestellt. Der Dialog des ‚Barbès‘ Abschnittes findet zwischen zwei Magrebinern statt. Ein Abschnitt spielt auf den Antillen. Frauen und Kinder, die in vielen Lehrbüchern nicht oder kaum vorkommen, kommen hier vor.

Die in diesem Programm benutzte Methode ist die sogenannte ‚situational method.‘ Das Material ist in kommunikativen Situationen eingebunden, während die grammatikalischen Strukturen immer in Zusammenhang mit dem Inhalt, kontextuell auf die Dialoge bezogen, erklärt werden. Die Methode ist die sogenannte ‚contextual grammar teaching method.‘

Bewertungstabelle

Bewertung nach Fertigkeit

5

4

 

3

 

2

 

1

Verstehen

   

X

 

Sprechen

 

X

   

Lesen

 

X

   

Schreiben

 

X

   

Grammatik

     

X

Vokabular

     

X

Menschlicher

Aspekt

X

 

Kulturelles

Bewußtsein

     

X

Politisches

Bewußtsein

     

X

Gesamtbewertung

Gut

       

Gesamtbewertung aller drei Phasen: 1,71