Visual Basic 6.0

Programmieren


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Visual Basic 6.0


Christian Sabor


Christian.Sabor@blackbox.at

Visual Basic 6.0

Christian Sabor

Auf den ersten Blick scheint sich mit dem Versionswechsel nicht sehr viel geändert zu haben - die Oberfläche ist dieselbe, die gewohnten Funktionen sind vorhanden. Neben kleineren Verbesserungen, etwa die Möglichkeit der Datumseingabe über Kalender oder der optischen Anpassung von Applikationen an Windows 98 mittels Coolbars, offenbaren sich bei näherer Betrachtung jedoch einige sehr praktische, über reine Performanceverbesserungen hinausgehende Neuerungen.

Die wichtigste davon ist wohl die umfassende Datenbankeinbindung. Was bisher relativ umständlich war, ist jetzt mittels Drag&Drop einfach und übersichtlich. Die Anbindung an bestehende oder neue Datenbanken erfolgt über “Data Environment” Objekte, wobei alle gängigen Verbindungen und Formate (JET, QDBC, SQL, Oracle, AS/400) unterstützt werden. Ist eine Datenbank einmal angebunden, kann über “Command” Objekte auf Tabellen zugegriffen werden, indem unter den Eigenschaften einfach der entsprechende Name ausgewählt wird. Genauso können auch Abfragen erstellt werden, die Queries können sowohl direkt in ein Textfeld eingegeben, als auch über eine graphische Oberfläche ohne Kenntnis der SQL-Syntax generiert werden. Neben “Select”-Abfragen, also Abfragen, die dem simplen Anzeigen von Daten dienen, können in diesen Commands über “Insert”, “Delete” usw. auch Datenmanipulationen durchgeführt werden.

Zu diesen neuen Datenbankobjekten gibt es natürlich auch einen Satz an Events: Für “Connect” und “Execute” ist jeweils ein Will-(Connect/ Execute) und ein (Connect/ Execute)-Complete Event vorhanden, die jeweils vor bzw. nach der Durchführung der entsprechenden Datebankaktion ausgeführt werden. Für Transaktionen gibt es ein BeginTrans, ein CommitTrans und ein RollbackTrans Event, so können auch vom Transaktionsstatus abhängige Funktionen richtig ausgeführt werden. Auch für einzelne Commands existiert eine Vielzahl an Events, die beispielsweise bei der Navigation sowie vor und nach Veränderungen der Daten ausgeführt werden.

Wenn also die Datenbankanbindung vorhanden, anzuzeigende Daten selektiert und auszuführende Aktionen programmiert sind, können vorhandene Commands einfach per Drag&Drop über ein Formular gezogen werden, Visual Basic erzeugt dann automatisch entsprechende Eingabefelder und verbindet sie mit der Datenbank.

Wer mit Access arbeitet, wird Reports als schnelle Möglichkeit der Ausgabe von Datenbankinhalten am Bildschirm oder am Drucker schätzen. Reports verhalten sich ähnlich wie Formulare, sie dienen jedoch vorrangig der Ausgabe von Daten. Dies erfolgt übersichtlich, indem der Datenbereich für jeden Datensatz einmal wiederholt wird, und außerdem Seiten-, Bericht-, Kopf- und -fußbereiche erstellt werden können. Mit der neuen Version ist das Erstellen von solchen Reports jetzt auch in Visual Basic möglich.

In Zusammenhang mit Datenbankanbindungen, aber auch im normalen Gebrauch, sind zwei weitere Neuerungen nützlich: Erstens der Validate Event, der beim Verlassen eines Controls eintritt, und über den die Richtigkeit von Eingaben überprüft werden kann. So kann verhindert werden, dass der Benutzer falsche Eingaben tätigt, er kann sogar am Verlassen der Controls gehindert werden, solange keine gültigen Daten eingegeben sind. Die zweite Neuerung ist die Möglichkeit der Ausgabeformatierung, die in früheren Versionen nur über spezielle Controls möglich war, nun aber bei normalen Eingabefeldern über die Eigenschaft “DataFormat” eingestellt werden kann. Es können voreingestellte Zahlenformate ausgewählt oder eigene definiert werden.

Der nächste große Bereich, in dem umfassende Verbesserungen stattgefunden haben, ist die Internetanbindung. Durch die Einbindung von DHTML-Seiten in Projekte kann ein flexibles Interface für lokale und über das Internet ausgeführte Applikationen geschaffen werden. DHTML-Seiten werden komplett objektorientiert behandelt, Text, Bilder und Links sind eigene Objekte mit Eigenschaften und Events.

Im Serverbereich können über die Visual Basic Web Classes in Verbindung mit dem Internet Information Server sowohl Anbindungen vorhandener Projekte an das Internet realisiert, als auch komplett neue, über das Internet ansprechbare Programme geschrieben werden. Das Programm erhält die Eingaben über HTML-Formulare, und kann Informationen und Seiten an den Browser des Benutzers zurücksenden. In Kombination mit den übrigen Visual Basic Funktionen können so komplexe Anwendungen erstellt werden, die problemlos über das Internet bedient werden können.

Die in der Version 6.0 vorhandenen Neuerungen vereinfachen in ihren Bereichen das Handling enorm, und machen komplett neue Anwendungen von Visual Basic Applikationen möglich.

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    Christian.Sabor@blackbox.at  Christian Sabor

PCNEWS-60  November 1998

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