Der „DESTINATOR“

ein Navigationssystem für den iPAQ Pocket PC der besonderen Art …  

Paul Belcl

Mit freundlicher Unterstützung der Firma LogaData  http://www.logadata.at/ konnte ich unlängst den DESTINATOR testen.

 

 Einleitung

Der Destinator (= DN) ist eine Hardwareerweiterung welche mit dem Compaq iPAQ (36xx Serie!) zusammen als preiswertes aber leistungsfähiges Navigationssystem arbeitet.

Im Lieferumfang befindet sich ein Kabel mit einem Stromanschluß für den Zigarettenanzünder an dem auf der einen Seite eine GPS Maus (Antenne) und auf der anderen Seite ein Stecker für den iPAQ zur Verfügung steht. . (Abb.01)

 

Weiters ist in der Schachtel eine CD mit der Software sowie den Karten (für Österreich und die Schweiz) und ein Stoffsackerl wo man alles aufbewahren und transportieren kann. Nach Installation der Software und er Karten (ca. 50 MB für Österreich) auf dem iPAQ ist der DN betriebsbereit. Karten anderer Länder (für Europa) kann man optional dazukaufen. Die Karten sind von NAVTECH-Kartentechnologie. Das Programm kann wahlweise in Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch oder Spanisch installiert werden, und funktioniert auch mit Pocket PC 2002 (dem neuen Betriebssystem für Pocket PC).

 

Funktionsweise

 

Man schließt eine Seite an den Zigarettenanzünder des Autos an. Die andere Seite wird mit dem iPAQ verbunden. Die GPS-Antenne legt man auf das Armaturenbrett und befestigt den am Kabel angebrachten Saugnapf an der Windschutzscheibe. Die GPS-Antenne ist magnetisch und lässt sich daher auch auf dem Fahrzeugdach „ankleben“. Da die Antenne an Armaturenbrett liegend beste Ergebnisse erzielt hat, sah ich nie die Notwendigkeit das Ding am Autodach zu befestigen.

Nach dem Starten kalibriert das GPS (bei eingeschaltetem iPAQ und geladener Software) und steht nach ca. 3-5 Minuten zur Verfügung. Danach kann die Fahrt beginnen. Auf einem Infobildschirm lässt sich die Anzahl der derzeitig zur Verfügung stehenden Satelliten anzeigen. (Abb.02). Der iPAQ und auch der Zusatzakku in einem Expansion Pack wird  aufgeladen daher kann der Anschluss des DN auch als Ladekabel „missbraucht“ werden!

 

Möglichkeiten

Die Software ist logisch aufgebaut und bei der Zieleingabe sind alle Eventualitäten berücksichtigt. Im Zieleingabemenü sucht man sich die Reihenfolge der Eingabe aus. (Abb.03)  Wenn man mit der Stadt beginnt, werden die wichtigsten Straßen dieser Stadt anwählbar. Das ist sinnvoll, wenn ich z.B. von Wien nach Salzburg fahre. Will man innerstädtisch navigieren ist es besser die Straße zuerst einzugeben und anschließend mittels der Postleitzahl die Auswahl zu präzisieren. Sinnvollerweise wird man die Information zuerst eingeben die man am genauesten weiß.  Danach kann man in entsprechender Reihenfolge die Zieldaten eingeben.  (siehe Abb.04 weiter unten!) . Daher findet man auch alle Adressen nach Ort, Plz, Wegkreuzung oder anderen Informationen. Somit wird eine „Tür zu Tür“ Navigation in ganz Österreich möglich. In kleineren Orten (oder Orten die noch nicht zu 100% digitalisiert sind) findet man „nur“ die wichtigsten Straßen.

Nach Auswahl des Zieles erfolgt die Lokalisierung des Standortes. Der Startpunkt wird auf die letzte aktuelle Position gebracht und die Fahrt kann beginnen. (siehe Abb.05 weiter unten!) Der Zielkreis verwandelt sich dann in ein Dreieck und bewegt sich auf der Karte in die gefahrene Richtung. (siehe auch Abb.08 weiter unten)

 

Die Wegstrecke welche vom System gewählt wurde kann aber auch in einer Listenansicht kontrolliert werden, damit man nicht während der Fahrt erst feststellen muss dass die Strecke vielleicht ans falsch eingegebene Ziel führt (z.B. weil man sich vertippt hat). (Abb.06).

Für die Navigation kann man entweder „kürzeste Strecke“ oder „schnellste Strecke“ wählen.

Man kann auch immer wieder benötigte Adressen im Adressbuch speichern und spart sich somit jedes Mal die Suche. Außerdem können die letzten 15 Ziele aus einer Liste „vorherige Ziele“ wieder abgerufen und angefahren werden.

 

Die erste Fahrt ins „Land“

Meine erste Ausfahrt ist der Besuch des Weihnachtsmarktes in Hadress (ein Dorf mit ca. 1000 Einwohnern). Ich gebe mein Ziel über „Stadt“ und „Straße“ ein (Abb.04). Nach Eingabe der Zieldaten wird die letzte bekannte Position so lange angezeigt bis der DN meinen Standort bestimmt hat. (siehe auch Abb.05 am Ende des Artikels).

 

Die Fahrt verläuft problemlos. Kurz vor Erreichen unseres Zieles will das System, dass ich auf eine kleine Nebenstraße abbiege. Da wir noch etwas Zeit haben versuche ich den vorgeschlagenen Weg. Tatsächlich kommen wir zuverlässig nach Hadress obwohl wir quer durch die „Tundra“ navigiert werden. Bis auf einen kleinen Ausrutscher auf der Bundesstraße, wo ich lt. DN um eine Verkehrsinsel herumfahren hätte sollen, ist die Route auch bestens geplant.

 

Auf dem Rückweg finde ich unter „Wien“ leider nur 5 Straßen zur Auswahl. Nach einigem Suchen finde ich heraus, dass die Navigation in Wien auf mehrere Stufen aufgeteilt ist. Mann sollte Sinnvollerweise erst die Straße suchen und danach die Postleitzahl. Damit findet man sich in großen Städten bestens zurecht.

 

Weitere Fahrten in Wien

Auch die innerstädtische Navigation gelingt sehr gut. Allerdings sollte man im Dicht verbauten Gebiet eher die Anzeige zu Rate ziehen und nicht blind der Stimme vertrauen, da es manchmal bei knapp nebeneinander liegenden Weggabelungen zu missverständlichen Ansagen des Systems kommt und ich deshalb schon so manche Vollbremsung hingelegt habe.

Auch gefällt mir persönlich die Ansagereihenfolge der Richtungsangaben nicht! Ich finde statt „Links abbiegen in 200 m“ sollte die Stimme „in 200 m links abbiegen“ sagen. Die Anzeige funktioniert allerdings immer korrekt und ist in solchen Fällen mit einem kurzen Blick zu würdigen, dann weiß man ob gleich zu handeln ist oder man noch Zeit hat.

Vorbildlich ist dafür die Navigation durch den Kreisverkehr gelungen!! (Abb. 08) Anweisungen „im Kreisverkehr erste Ausfahrt“ sind absolut präzise und unmissverständlich.

 

Stärken und Features

 

Das Adressbuch des DN ist eines der Features die ich sehr schätze. Nach Eingeben eines Zieles kann man auf das Adressbuch Symbol klicken und das Ziel unter einem frei wählbaren Namen im Adressbuch speichern (Abb.07). Danach kann man dieses Ziel einfach aus dem Adressbuch auswählen um dorthin navigiert zu werden.

 

Der automatische Zoom ist eine Funktion die Geschwindigkeitsabhängig die Anzeige vergrößert oder verkleinert darstellt. So ist es auf der Autobahn z.B. möglich weiter am Plan vorauszusehen als in der Stadt. Man kann sich auch aussuchen ob der DN die Ansicht immer in Fahrtrichtung dreht und der Navigationszeiger immer nach oben „fährt“ oder die Karte immer nach Norden zeigt und der Navigationszeiger sich in Fahrtrichtung bewegen soll.

 

Mit der Option „schnellste Fahrtstrecke“ oder „kürzeste Fahrtstrecke“ kann man sich entscheiden ob man lieber eine einfache (schnelle) Strecke fahren will (eher Autobahn), oder die geografisch kürzeste Strecke ohne auf die Art der Straße zu achten. Ich habe mit der Option „kürzeste Strecke“ einige interessante „Schleichwege“ gefunden die ich vorher nicht gekannt habe….

 

Auch die Aufzeichnung von Wegstrecken ist möglich! Diese können dann wie ein Videofilm (inkl. aller Anweisungen) jederzeit auch ohne angeschlossenes GPS-System abgespielt werden. (zum Wegstrecke erklären oder für Schulungszwecke).

 

Schwachstellen

 

Wirkliche Schwachstellen habe ich bei diesem fast perfekt funktionierenden System keine gefunden. Ab und zu sind die falschen Sprachausgaben hinterlegt so dass man manchmal „links abbiegen“ hört wo man „rechts abbiegen“ hören sollte. Solche Fehler gibt es aber bei jedem System und sie sind eher selten.

Weiters gab’s hin und wieder Befehle zum Links abbiegen wo es baulich gar nicht möglich war. Beispielsweise von der Währingerstraße Fahrtrichtung Ring in die Türkenstraße die durch eine „Stuttgarter Schwelle“ getrennt ist.

Oder von der Altmannsdorferstraße in Fahrtrichtung „Alt Erlaa“ kann man nicht links auf die Südost-Tangente auffahren ohne vorher umzudrehen,  da dort ein Grünstreifen die Fahrbahnhälften trennt. 

Wenn solche „Hoppalas“ passieren und man gegen die geplante Route weiterfährt wird vom System innerhalb von einigen Sekunden die neue Route berechnet.  Wenn man kurz nach der verpassten Abzweigung vom DN „Wende“ (den Befehl zum umdrehen) hört und diesen Befehl einige Zeit ignoriert rechnet das System die Route um und man bekommt dann den neuen Wegvorschlag und somit auch wieder sinnvolle Anweisungen!

 

Die Befehlsfolge der Textansage gehört meiner Meinung nach umgedreht!! Der DN sollte statt „links abbiegen in 500m“ besser „in 500m links abbiegen“ sagen. Da jede Navigationsanweisung für links mit „links abbiegen“ anfängt, auch die tatsächliche Aufforderung zum Abbiegen. Das bedeutet dass man wenn man „links abbiegen hört“ immer warten muss ob nicht noch eine Entfernungsangabe folgt bevor man abbiegen kann. Das ist sehr anstrengend und außerdem ist man dadurch genötigt entweder schon mal eine Ausfahrt  zu verpassen, oder so manche Vorreaktion herbeizuführen!!

 

Das ist auch jedem meiner zahlreichen Beifahrer während des Tests aufgefallen. Unverständlich, da die Sprachdateien die in einzelnen Teilstücken aufgenommen sind, nur in umgekehrter Reihenfolge abgespielt werden müssten!!. Das müsste recht einfach zu realisieren sein und gehört unbedingt bald geändert!!

 

Das System braucht erfahrungsgemäß mindestens 4 Satelliten um die Navigation durchführen zu können. Ist die Anzahl der verfügbaren Satelliten, die in der rechten unteren Bildschirmecke angezeigt wird, zu wenig verhält sich das System etwas planlos und der Positionszeiger „torkelt“ auf der Karte herum. Diese Situation ist allerdings während meines Testes nur 2 x kurz aufgetreten und daher kein Problem. In solchen Fällen ist es ratsam einen „Warmstart“ zu machen damit sich der DN wieder „auskennt“.

Auch während der Fahrt durch Tunnels gibt’s keine Unterstützung da die GPS-Navigation ist darauf ausgelegt, dass der Empfänger freie Sicht auf den Himmel hat. Die meisten im Fahrzeug eingebauten Navigationssysteme überbrücken die „leere“ mit einen elektronischen Kompass und sind mit dem Tacho und den Rädern des Fahrzeugs verbunden, können also Phasen ohne Satellitenempfang überbrücken.

Der DN verwandelt in solchen Situationen seinen Navigationszeiger von einem Dreieck in einen Kreis und verbleibt auf der letzten bekannten Position stehen um nach dem Tunnel sofort wieder weiterzuarbeiten. Ist allerdings im Tunnel die benötigte Ausfahrt (z.B. Kaisermühlen) dann ist das nicht hilfreich.

Zur Kontrolle ist übrigens der Empfangsanzeiger unten rechts im Display recht hilfreich, er färbt sich rot, wenn kein Empfang möglich ist. (Abb.05)

 

Resümee

 

Der Destinator ist eine gute und preiswerte Navigationslösung für iPAQ Besitzer die bereits das Gerät und eine passende Speicherlösung besitzen um die nötigen Karten bei sich zu haben. Wenn man international unterwegs ist sollte man sich jedenfalls eine große Speicherlösung anschaffen, da das Kartenmaterial recht umfangreich sein kann (Österreich ca. 50 MB, Deutschland 13 Teile insgesamt ca. 500 MB). Kleine Schwächen der Sprachausgabe habe ich dem DN verziehen, da diese mit dem nächsten Update hoffentlich der Vergangenheit angehören werden. Ich persönlich habe mir den DN gekauft weil ich doch oft in Wien und Umgebung herumfahre und es recht praktisch ist, wenn man nicht immer während der Fahrt den Stadtplan bemühen muss. Bis jetzt bin ich mit dem DN auch noch überall angekommen, wo ich hinwollte J

Schade dass es den DN der übrigens ca. € 508.- kostet derzeit nur für den Compaq iPAQ 36xx Serie gibt!! Für die iPAQ Serie 38xx ist ein Adapterstecker angekündigt der allerdings derzeit noch nicht lieferbar ist. Alle anderen Geräte werden leider zur Zeit nicht unterstützt!!!

Hier noch der Link zu einem Testbericht eines deutschen Kollegen: http://www.worldofi.de/HWTests/destinat.htm dem ich dreist wie ich bin die Abb.01 geklaut habe J